Ohne Seil und doppelten Boden

Wie oft hat mich mein Kopf schon blockiert. Wie oft sah ich runter und hatte Angst zu fallen und zu scheitern.
Aber wovor habe ich da eigentlich Angst?
Habe ich Angst mich zu verletzten?
Habe ich Angst andere zu verletzten?
Zu enttäuschen? Mich zu enttäuschen? 
Woran liegt das?
Egal was ich tue. Ich habe immer die Angst im Hinterkopf, dass etwas schief laufen könnte und ich es nicht schaffe.
Aber was genau passiert denn, wenn ich es nicht schaffe?
Beim bouldern sehe ich es immer häufiger:
Leute die Angst haben zu fallen.
Auch wenn es nur 4 m Handhöhe sind – also einer Fallhöhe von 1,70 m bei einem 1,80 m großen Menschen, der mit ausgestrecktem Arm 2,30 m erreicht – sehe ich diese wahnsinnige Angst zu fallen.
Aber was bringt ihn dazu diese Angst zu haben?
Er hat doch im wahrsten Sinne des Wortes alles in der eigenen Hand.
Hier ist nicht das fehlende Vertrauen in das Material das Problem. Es gibt ja keines. Es ist eher das Fehlende Vertrauen in sich selbst. Die Unkenntnis seiner eigenen Kraft und Möglichkeiten.
Das fehlende Vertrauen in die eigenen Hände und Füße.
„Ich kann hier doch stehen. Ich kann mich doch festhalten. Ich kann mir sogar während ich hier stehe die Konsequenzen überlegen, was passiert wenn ich es nicht mehr schaffe. Ich habe also die Kraft um mich zu halten!“
Führt mir in solchen Situationen eine innere Stimme vor.
 
Und dennoch gehe ich nicht weiter. Die Angst, die vollen 1,70 m zu fallen ist so übermächtig und groß, dass sie jegliche Handlung unterbindet.
Und dann passiert es. 
Ich falle.
Und wie durch ein wunder überlebe ich es unversehrt.
Aber hindert mich diese Erfahrung daran erneut Angst zu haben?
Keineswegs.
Mir scheint: Die Höhe war zu gering, die scheinbare Gefahr nicht eindringlich genug um zu kapieren, dass sie nur Einbildung war.
So ging es mir, bis ich das erste mal Deep Water Solo klettern war und aus etwas mehr als 8m stürzte.
In diesem Augenblick hatte ich wirklich Angst. Aber alles was passierte war, dass mich das kühle nass des Meeres empfing, sanft in sich aufnahm und mir zeigte das ich sicher war.
Es durchpülte meinen Kopf und Geist. Reinigte mich von der Angst. Stürzen war plötzlich kein Urteil mehr, sondern eine Option die meiner Kontrolle unterlag!
Jetzt war ich frei. Frei, so zu klettern, als würde ich alles schaffen und überleben. Unaufhaltbar.

Aber noch viel wichtiger war die daraus gewonnene Erkenntnis:
Ich bin Herr meiner Hände, Füße und Kraft!

Ich entscheide ob ich falle, oder nicht. 
Aber nur, wenn mein Kopf vollkommen frei von dieser Angst ist. 
Dann kann ich mein ganzes Talent und können in die Wand übertragen.
Hier, am Fels über dem Meer, gibt es kein Seil das mich hält wenn ich falle. Kein Partner der mir sagt was ich tun soll. Keiner der mich auffängt falls ich scheiterte.
Hier bin nur ich und das, was ich kann.
Und ich sag euch, so ganz ohne Seil und doppelten Boden, da bin ich wahrhaft frei. 
Herr meiner selbst. 
Alles ist möglich, wenn ich es nur will und darauf vertraue  es schaffen zu können.
Ich war dort sogar in der Lage 16 Meter frei zu klettern und hatte nicht einmal das Gefühl der Angst, denn ich wusste

ICH HABE ES IN DER HAND

Und das ist was ich meine: Fallen gehört dazu. Fallen ist wichtig. Und paradoxer weise müssen wir hart fallen um zu verstehen, dass wir fallen können.
Pasqual
Aufsteher

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