Mein perfekter Tag

Sonne, draußen bouldern, reife Brombeeren, das Spiel von Licht und Schatten im Buchenblätterdach, mit den Gedanken im Moment sein

Was mache ich hier eigentlich? Gute Frage. Ich vergöttere nicht den Kaffee und ich bin weder in Pa noch in Jo zu finden. Aber ich gehöre mit dazu. Irgendwie war ich die meiste Zeit schon dabei, im Hintergrund. Und nun auch mehr im Vordergrund, so dass ihr von mir immer wieder etwas zu Wandertouren und Naturschutz werdet lesen können. Aber ich verspreche euch, auch meine Hintergrund-Tätigkeit gewissenhaft weiter zu erfüllen, denn das grammatikalische Fiasko und die Satzzeichen-Anarchie der beiden Jungs möchte niemand unlektoriert lesen 😉
 
Wie beginnt man nun einen solchen Text, wie stellt man sich Menschen vor, die man gar nicht kennt? Was für eine schwierige Aufgabe. Dabei steht man im Alltag eigentlich ständig vor dieser Herausforderung. Bei mir passiert das am häufigsten im beruflichen Rahmen, denn ich bilde Multiplikatoren zum Thema Wald und Klima fort. Inhaltlich sieht das dann meist so aus: Ich bin Biologin und habe Naturschutz studiert. Ich bin Projektmitarbeiterin bei einem Naturschutzverband und setze mich für Wald und Klimaschutz ein. Ich bin Jahrgang 1988 und ich bin gerne im Wald.
 
All das BIN ich. Aber ICH bin doch gleichzeitig viel mehr als das.
Was macht mich eigentlich aus?
 
Ich weiß, was mir wichtig ist. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Oftmals fällt es mir schwer, mich festzulegen oder zu entscheiden. Denn dann gibt es keinen Platz mehr für die vielfältigen anderen Optionen. Wenn ich aber entschieden habe, kann man sich bedingungslos auf mich verlassen. Ich bin ein ehrgeiziger und disziplinierter Mensch. Ich habe ein stark ausgeprägtes Gefühl für das, was ich als gerecht und richtig empfinde. Ich bin Idealist. Eigentlich. Manchmal auch resignierter Realist, aber tief im Herzen immer Weltverbesserin. Ich liebe die Natur mit all ihrer unvergleichlichen Schönheit, Vergänglichkeit und dem unerschöpflichen Potential, sich neu zu erschaffen und neu zu erfinden. Nirgendwo sonst scheint Widersprüchliches so harmonisch vereint wie in ihr. Jedes Lebewesen hat seinen Nische und seine Daseinsberechtigung im großen Ganzen. Alt und neu, Tod und Entstehen bestehen wertungsfrei nebeneinander.
 
Ich wandere leidenschaftlich gerne. Wandern ist für mich Entschleunigung und der Gegenpol zu unserer immer schneller werdenden Welt mit ständiger Erreichbarkeit. Wenn ich den ganzen Tag in der Natur unterwegs bin, komme ich bei mir an. Es fühlt sich natürlich und richtig an, draußen zu sein und zu laufen. Zudem fasziniert es mich, die eigenen Grenzen auszutesten. Wie weit können einen die eigenen Füße tragen? Ich liebe die Einfachheit, die das Unterwegssein mit sich bringt. Dinge, die sonst wichtig erscheinen, geraten völlig in den Hintergrund. Nie schmeckt ein einfaches Essen so gut, nie ist man mit so wenig zufrieden und kann sich an kleinen Dingen so aufrichtig erfreuen wie unterwegs. Im Wald fühle ich mich zuhause, bin aber auch gerne in den Bergen unterwegs.
 
Fast immer dabei ist meine Canon, mit der ich vor allem Natur und Vögel fotografiere. So kann es schon einmal passieren, dass ich auf dem Weg zum Bouldergebiet plötzlich das Auto am Straßenrand anhalte, aufgeregt mit der Kamera in der Hand heraus hüpfe und mich an Kiebitze heranschleiche, bevor meine Mitfahrer überhaupt bewusst wahrgenommen haben, dass auf dem Acker neben der Straße Vögel sitzen. Gelegentlich fotografiere ich auch Kletterer in freier Wildbahn. Die sind zum Glück meist weniger scheu.
 
Seit ein paar Jahren bouldere ich. Was zunächst nur in der Halle als Sport begann, ist mittlerweile ein nicht mehr weg zu denkender Bestandteil meines Lebens geworden. Ich bin immer noch gerne in der Halle, hier kann ich mich auspowern und den Kopf frei kriegen. Während ich meine Gedanken im Wald entwirren und sortieren kann, kann ich sie beim Bouldern einfach komplett abschalten. Für einen Menschen wie mich, der sich über alle möglichen und unmöglichen Dinge und vor allem immer zu viele Gedanken macht, ein Geschenk.
Aber draußen Bouldern ist für mich noch viel mehr als das. Draußen sein, den Fels lesen, die Natur achten und Teil davon sein. Verantwortung übernehmen und sich verlassen können. Bouldern ist stärker werden, wachsen und mich überwinden. Teil einer Gruppe verrückter, alternativer, toller Menschen zu sein.

Draußen Bouldern ist Freiheit.

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