Ich hab´s mir doch gesagt!

"Was? Wie soll ich das denn bitte schaffen?!?

Das kann ich nicht!!!
Nie im Leben halte ich diesen Zug! 
Klar das du das kannst, du hast ja auch Kraft und kannst bouldern.
„Aber ich doch nicht!“
Höre ich mich sagen während wir an meinem Projekt stehen das Jonas mal eben so durchtanzt.
Immer und immer wieder sage ich mir das ich das nicht schaffe und
Oh Wunder,
ich versage immer wieder.
Kann die Zuge nicht festhalten oder meinen Körper in die nächste Position schieben.
Wie könnte ich auch wenn ich mir vor dem Start schon immer sage das ich versagen werde.
Wo ist meine Unverhohlene Arroganz, das ich alles mit Leichtigkeit schaffe, hin?
Sie ist Futsch. Kaputt vom vielen Scheitern. Zu oft gefallen. Viel zu oft habe ich gesehen das jemand anderes es mit Leichtigkeit schafft. Und ich nicht.
Das es mir sogar schwer fällt überhaupt einen Zug zu machen. Und jeder steht daneben und sagt mach doch „einfach“ so. Halt hier „einfach“ fest.
Stell den Fuß dahin. Ganz nuanciert natürlich. Einen Zentimeter nach rechts mit dem Füßchen, dann wird das schon.
Ich selbst habe diese, an sich tollen Ratschläge, tausendfach gegeben. 
Jetzt regen sie mich auf.
Heilige scheiße, es ist nicht EINFACH. Ich kann meinen Fuß nicht um einen Zentimeter verstellen. Ich fühle mich wie ein Stein in der Wand.
Kann kaum meinen eigenen Hintern heben,
geschweige denn, meinen verschissenen Fuß um einen verschissenen Zentimeter verstellen.

Ich schaffe es einfach nicht!

Eine Stimme in meinem Kopf sagt mir das was ich sonst an dieser Stelle zu anderen sagen würde.
„Mit der Einstellung bestimmt nicht!“
Wie soll den mein Körper wissen das ich es schaffen soll wenn ich ihm ständig sage das er es gar nicht kann.
Wenn ich mir sage das ich es schaffe dann schaffe ich es auch. Fang an dir zu sagen das du es kannst. 
Versagen beginnt im Kopf und endet am Boden.

Sei arrogant genug zu glauben das du es kannst und du schaffst es.

Bouldern und Klettern ist ein Sport der vom Scheitern lebt. 
Friss oder stirb. 
Hier gibt es kein Zwischending. Du kannst es nur schaffen oder fallen.
Wir fallen oft, sehr oft. Mein Hintern lag so oft auf dem Boden das ich bereits glaube das es kein Armlastiger Beinsport ist, sondern ein Sitzsport.
Nicht umsonst tragen wir unsere Sitzkissen mit nach draussen an den Fels.
Es ist also kein Wunder das sich diese Gedanken immer und immer wieder einschleichen und uns langsam unseres Selbstvertrauens berauben während wir doch eigentlich Zug um Zug stärker werden.
Scheitern ist das elementarste in diesem Sport. Und Progress dauert hier lange. Vor allem in den oberen Graden. Dort wo das verstellen des Fußes um einen Zentimeter den Ausschlag gibt. 
Ich erinnere mich daran wie leicht mir der Anfang fiel, wie ich dachte ich muss ein Ausnahmetalent sein.
Alle Routen waren leicht, wenn auch nicht sonderlich schön geklettert. Aber leicht.
Man, fühlte ich mich toll.
Und so stob ich Route um Route hoch und wurde stärker. Aber wie es scheinbar jedem ergeht, erging es auch mir so. 
Ich kam an die Grenze und war nicht in der Lage sie zu überwinden.
Erst hartes Technik-, Ausdauer- und Krafttraining halfen mir besser zu werden. 
Oder anders Ausgedrückt, tausendfaches scheitern und fallen.
Und dass hinterlässt seine Spuren in jedem noch so positiven Geist.
Es war also vollkommen Normal das ich mir das nun selbst so einredete. 
Es galt dies zu überwinden.
Aber wie? Nun, „einfach“ positiv denken. 
Unverhohlen Arrogant sein und glauben das man es schafft. 
Manchmal muss ich meinen Kopf dazu zwingen positiv zu denken.
Aber wenn man oft genug daran denkt dann glaubt man sich vielleicht sogar und schafft es aus versehen 😉
Und manchmal, aber nur manchmal. Da wirkt eine Pause und ein Weizen wahre Wunder!

Neuer Tag neues Glück.

 Ich sage mir nun ständig das ich es schaffen kann. 
Erneut ging alle Züge im Kopf durch. Wieder und wieder.
Mit der Bahnbrechenden Erkenntnis vom Vortag gehe ich in die Route und sage mir das ich es im ersten Versuch schaffen werde. Habe schließlich jeden Zug bereits zu genüge geübt.
Hänge mich rein. Fuß hält. Leiste hält, Fuß um einen verschissenen 😉 Zentimeter nach rechts gestellt und Tada, es geht.
Leiste nehmen. Zweite Hand dazu, Füße hoch, nächste Leiste  Freundenschrei in den Raum gestellt und ab zum Top. Easy.
Warum nicht gleich so denke ich mir und merke wie dumm es war mir zu sagen das ich es nicht schaffen kann.
Es war doch so leicht. Naja, jetzt. Ohne die Last der selbsterfüllenden Prophezeihung. 
So kann ich mich ja gar nicht hochziehen.
Wie so oft vergesse ich das ich meinen Kopf mit tragen muss. 
Und der Dickschädel wiegt eine Menge wenn er mit negativen Gedanken gefüllt ist.
Pasqual
Felsversteher

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