Ich habe mich verlaufen

Es passiert schon wieder.
Ich gehe auf meinem Weg und habe das Gefühl hier völlig falsch zu sein.
Ich erkenne Nichts wieder. Nichts fühlt sich richtig an. Alles wirkt fremd und verkehrt.
Ich glaube, ich habe mich verlaufen!
Wo wollte ich eigentlich hin? Was wollte ich tun?
Gestern kannte ich noch meinen Weg.
Jetzt habe ich Angst und fühle mich unsicher.
Mit meinen Ideen und deren Umsetzung habe ich Wochenlang alle genervt.
Alles war so klar und einfach.
Und jetzt, was soll ich tun, was kann ich machen.
Zurück zum letzten Punkt gehen an dem ich den Weg noch kannte.
Oder um einmal das Klettern zu benutzen, zurück zur letzten Exe und reinsetzten. Neu überlegen und von vorne anfangen.
Was hat mich bis hier hin gebracht und wie soll es weiter gehen?
War das der richtige Griff? Stand mein Fuß richtig? Wo sind die Chalkspuren, wenn man sie mal braucht?
Wie hat das der Typ davor gemacht? Es sah doch so leicht aus.
Warum kann ich das jetzt nicht?
Ich weiß es nicht. Ausreden habe ich gewiss genug. Aber warum ich es letztendlich nicht mache, weiß ich nicht.
Ein unüberwindbares Hindernis scheint an dieser Stelle in meinem Kopf zu sein.
So viele Steine, die auf meinem Weg zum Ziel liegen (um mal eine Methaper aus dem Wandern zu bedienen).
Und fast alle habe ich selbst dorthin gelegt.
Aber warum tue ich das?
Als wäre die Route nicht schwer genug.
So aber habe ich eine Ausrede für mich, falls ich doch scheitere.
Dämlich oder?
Ich habe vor kurzem einer Freundin beim Klettern zugesehen und kurz vor dem Topgriff schaute sie runter und sprang dann ab.
Obwohl sie vollkommen sicher stand und locker hätte toppen können.
Sie war sich ihres Scheiterns so sicher, dass sie gar nicht toppen konnte. Eine selbst erfüllende Prophezeiung quasi.
Aber warum tat sie das? Ihr selber war das gar nicht bewusst, sagte sie.
So wie mir, wenn ich kurz vorher aufgebe.
Auf dem Boden stehe ich wohl sicherer als am Topgriff.
Warum haben ich soviel Angst vor dem Erfolg? Ist das Risiko eventuell zu fallen denn größer als alles andere?
Und was machen die Leute, die es schaffen anders?
Haben die nicht auch Ängste und Zweifel?
Der Unterschied ist, dass sie sich nicht lähmen lassen von der Angst.
Sie lassen sich von ihr nicht diktieren, wohin sie wie gehen.
Ich persönlich stelle mir die Angst wie die riesige Steinkugel in dem Film Indiana Jones vor.
Von außen betrachtet ist es eine riesige Steinkugel, die mich zerquetschen kann, wenn sie mich erwischt. Also laufe ich wie Indiana Jones in gerader Linie davon.
Was ich natürlich nicht weiß, ist die Beschaffenheit dieser Kugel.
In Wirklichkeit ist es nur eine Styroporkugel mit sehr realistischer Zeichnung.
Wenn sie mich erwischt, dann passiert nichts, außer dass sie weiter rollt.
So handhabe ich meine Angst. Ich lasse sie zu.
Erlaube ihr, mich voll zu erfassen und zu überrollen.
Dann stehe ich wieder auf, klopfe mir den Staub von den Kleidern und gehe mutig weiter voran.
Der Witz an der Sache ist:
Ohne Angst kann ich nicht mutig sein!
Angst ist nur ein aufgeplustertes Gefühl, das uns von Risiken abhalten soll.
Sie soll uns vorsichtig machen, aber doch nicht lähmen.
Angst gehört dazu und ist etwas Gutes. Es hilft uns bedacht zu sein und am Ende alles richtig zu machen.
Auch die besten verlaufen sich ab und zu.
Wenn wir nicht wissen, wo wir sind, gehen wir ein Stück zurück, orientieren uns neu und entscheiden uns für einen Weg.
Selbst wenn es am Ende nicht der Richtige war, können wir etwas davon lernen.
Nur was, das bleibt uns überlassen.
Wichtig aber ist:
Not all who wander are lost!

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