Draußen Leben ist Kaffee

Die Sonne lacht und es ist angenehm warm.
Zeit um die Sachen zu packen und nach draußen zu fahren.
Schnell noch in die WhatsApp-Gruppe geschrieben und schon geht es mit ein paar guten Freunden nach draußen an die Wand zum klettern.
Diesmal ist es Gerolstein. Das erste Mal für mich in diesem Sektor.
Kaffee eingepackt, Bialetti ready, Kuchen und Brote dabei.
Die KleanKantine mit Wasser darf natürlich nicht fehlen.
Letzter Check der Klettersachen, soll ja nichts vergessen werden.

Und ab gehts.

Kaum vor Ort empfängt uns die Sonne und ein netter Mann, der mir Komplimente zu meinen Muskeln macht.
Gut, das ist nun eher ungewöhnlich, aber nett zu hören und passt irgendwie zur Laune und dem Tag.
Ich bin entspannt.
Endlich wieder draußen am richtigen Fels.
Nicht mehr dieser Plastikkack aus der Halle.
Nichts gegen die Halle, aber sie ist nur Training um draußen geilen Shit zu machen.
Sonne und Fels, dazu einen Kaffee. Es gibt nichts besseres.
Freudig werden wir empfangen und umarmt.
Schlechte Laune gibt es draußen einfach nicht.
Auch keine Konkurrenz.
Nur den Felsen und gut gelaunte und gesprächige Menschen.
Ich liebe das.
Ganz anders als in der Halle.
Hier versucht man immer bis ans Limit zu gehen und ärgert sich, wenn man einmal etwas nicht schafft.
Auch die Anzahl der Routen ist gänzlich anders. In der Halle können es locker bis zu 40 werden, aber selbst wenn ich sie schaffe, bin ich nicht so entspannt und glücklich wie hier.
Und das bevor ich den Fels auch nur angefasst habe.
Alleine die Stimmung ist schon Grund genug hier zu sein.
Kleiner Spoiler vorweg, am Ende des Tages werde ich nur fünf Routen geklettert haben.
Aber ins Bett fallen und freudig einschlafen werde ich trotzdem.
So, erstmal hinsetzen und Kaffee kochen.
Kaffee ist wichtig, ohne ihn geht Klettern eigentlich nicht.
Weniger wegen des Kaffees als wegen des Lebensgefühls, das er vermittelt.
Ich sitze angelehnt an der Wand, die Sonne scheint warm in mein Gesicht und ein Lächeln macht sich breit.
Hier bin ich glücklich, hier will ich sein, nirgendwo anders.

Genug gechillt und umarmt.

Gurt an, Ausrüstung dran als wäre ich ein Weihnachtsbaum und Seil am Arm geht es in die erste Route.
Chalk? Brauche ich nicht. Meine Hände sind trocken und der Fels auch.
Die ersten Meter gehen locker, kein Gedanke wird ans Stürzen verschwendet, obwohl die erste Exe erst nach vier Metern kommt.
Clip sitzt, jetzt bin ich sicher.
Weiter gehts. 10 Meter, 15 Meter, Top.
Umbauen und abseilen.
Am Boden wartet meine Freundin um mich mit einem Kuss zu belohnen.
Was für ein Tag.
Und er verläuft weiter ruhig und glücklich.
Selbst als sich mein Seil beim Abseilen verhakt und meine Freundin nachkommen muss um es zu lösen.

Dann warte ich eben auf einem Vorsprung bis ich gerettet werde.

Jetzt wird mir eine Route empfohlen, ein wahrer Klassiker wie man mir versichert.
Rein geht’s.
Auf der Hälfte bin ich bereits am fluchen. Unmöglich weite Züge, klitzekleine Leisten und Kreuzen an Stellen, die ich nicht einmal ohne Kreuzer greifen möchte.
Am Cruxzug über Kopf geclipt, damit ich nicht so dämlich stürze, dabei ist das Sturzgelände bombastisch.
Aber wer kennt das nicht, Hose voll, Kopf und Arme zu.
Immer noch am meckern, zur Erheiterung aller, die im Umkreis von 20 Metern stehen.
Was für ein Spaß, für alle anderen.
Ich kämpfe, tiefe Atemzüge, Pressatmung, alles auf Anspannung.
Linke Hand crimpt die Leiste voll auf, rechts greift eine Zange, rechter Fuß auf Hüftehöhe gestellt, dynamisch an die nächste Leiste, rechts weiter an die nächste Leiste, dann der Kreuzer.
Daneben. Falle.
Alles gut gegangen.
Sagte ja, bombastisches Sturzgelände.
Und ein Ohm in der ersten Exe. Wer hätte gedacht, dass es so viel Unterschied macht beim Sichern.
Nochmal. Diesmal doppel ich die Leiste anstatt zu kreuzen. Klappt.
Top in Sicht. Nur noch den rechten Fuß stellen.
Geschafft. Erleichterung macht sich breit.
Trotz des Fluchen und Meckerns begreife ich einmal wieder, dass ich unfassbar viel Spaß hatte und ich im Nachhinein die Route mag.
Wie immer hatte mein Freund recht, dass ich diese Route lieben werde. Nachher ist man wohl immer schlauer.

Stolz und völlig fertig setze ich mich neben die Bialetti, die bereits auf dem Gaskocher stand, und trinke das Getränk der Götter.

Das Gesicht in den letzten Sonnenstrahlen des Tages, das Lächeln meiner Freundin, das wenigstens genauso hell strahlt, fällt mir wieder auf wie glücklich mich das hier alles macht.
Nicht das Klettern alleine, sondern das, was damit kommt:Freunde, Spaß, Liebe, Anstrengung, aber auch Ruhe (vor allem im Kopf) und natürlich Kaffee.

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