artofclimbing.com

Wie fängt man so eine Seite an. Wie erzählt man eine Geschichte über zwei Menschen, die von uns gegangen sind.
Ein Freund sagte das vermutlich Klügste dazu, was man dazu sagen kann.
Er sagte: „Tausend Mal!“
 
Und nun sitze ich hier und beginne zum gefühlt tausendsten Mal diese Geschichte.
 
Laut der griechischen Mythologie wurde der Mensch mit vier Armen und vier Beinen sowie zwei Gesichtern mit nur einem Kopf gestaltet.
Da Zeus eifersüchtig auf ihre Einigkeit und Liebe war, trennte er diese und fortan musste sich der Mensch auf die Suche nach seiner zweiten Hälfte begeben um wieder komplett sein zu können.
Wer die beiden kannte, wusste sofort, dass die beiden sich gefunden und somit komplettiert haben.
Nie traf ich ein anderes Paar, bei dem die Liebe so rein und klar war wie bei Leonie und Simon.
 
Leonie war eine sehr talentierte Fotografin, die es verstand Simon einzufangen. Wenn ich ihre Bilder betrachte, sehe ich vorrangig zwei Dinge.
Nämlich ihre Liebe und Faszination für Simon. Und das in jedem Bild. Ich sehe förmlich wie sehr sie ihn liebt.
Und ich sehe Simon wie er durch die Linse in ihre Augen sieht und mir damit zeigt, wie sehr er Leonie vergöttert und aufrichtig liebt.
Das machte ihre Bilder so wertvoll.
Neben der Ästhetik, die sie einfangen konnte, war das ihr größtes Talent als Fotografin.
 
Simon selbst war einer der stärksten und mutigsten Kletterer, den ich bisher kennen lernen durfte. Ein wahrer Allrounder, wenn es um den Fels geht. Und je cleaner, desto besser wurde er.
Nur der Fels und seine Friends. Dann war er stark und frei.
Klar hatte er auch oft Angst, aber er nutzte diese Angst als Antrieb. Als Motor. Und so stob er voran und kam jeden Berg und jeden Felsen hoch.
Mit dabei war immer eine gehörige Portion Selbstironie und vor allem Spaß. Er hatte, wenn er wollte, einen kindlichen Humor und fand fast immer etwas das lustig war und konnte uns damit anstecken.
Er sprühte nur so vor Energie und konnte Menschen mitreißen.
Aber nicht weil er so aufgedreht war, sondern vielmehr durch seine ruhige Art, die einem das Gefühl gab, sicher zu sein.
Wenn er dabei war, vertraute man ihm. Uneingeschränkt. Man hatte immer das Gefühl, er sei DER Profi auf dieser Welt und er wisse immer was er tut.
 
Zusammen waren die beiden genial. Eine Ergänzung für sich selbst.
Was der eine nicht konnte, war dem anderen natürlich inne und so waren sie immer vollständig. Ich habe nie erlebt, dass sie sich uneinig waren und wenn es doch einmal so schien, war es immer schnell aus der Welt geschaffen, da keiner von beiden über dem anderen stehen wollte.
Der lebende Kompromiss ohne Ego. Nur pures glücklich sein.
Purer Frieden.
 
Die beiden waren und sind ein hell leuchtendes Licht in einer ansonsten dunklen Welt.
Und sie haben es geschafft, dass jeder der sie kennen lernen durfte, genau so denkt.
Ich habe viele Gespräche geführt seit sie starben und immer endeten sie damit, dass wir lachten und uns Geschichten über die beiden erzählten.
Obwohl ihr Tod so tragisch war, leuchtet ihr Licht immer noch in unseren Herzen und erhellt so den Tag für uns.
Diese Tatsache hätten sie geliebt.
 
So sollten Menschen sein. Bereichernd für alle.
Glücklich und das auch teilend. Aufrichtig. Und liebevoll. Nie selbstsüchtig und, was am wichtigsten ist, dankbar und zufrieden für das, was sie haben.
 
 
Ein Satz, der Ihr Leben gut beschreibt, könnte lauten: In Verzicht und Armut liegt Zufriedenheit!
Die beiden besaßen quasi nichts. Lebten im Bus auf Reisen. Von Fels zu Fels und Berg zu Berg.
Immer dabei die Menschen, die sie liebten und immer auf dem Weg zu selbigen.
Obwohl so jung, waren sie in der Lage ihr Leben so zu leben wie sie es wollten. Frei von allen Sorgen und Ängsten.
Es gibt den Spruch, dass viele Menschen mit 25 sterben, aber erst mit 75 beerdigt werden.
Nicht so die beiden. Sie lebten jeden Tag. Und das kann nicht jeder von sich behaupten.
In den Jahren, die sie hatten, lebten sie intensiver als viele Menschen, die doppelt so alt geworden sind.
 
Auch mich haben sie maßgeblich beeinflusst. Ich lernte zuerst Leonie mit ihrem Projekt Roadstories kennen.
Dafür interviewte sie 52 Menschen aus aller Welt und befragte sie über ihr Innerstes. Ein Projekt, das mich dazu brachte mich wieder zu reflektieren und etwas über mich zu erfahren.
Sie schrieb mich an, nachdem ich meinen ersten Text auf dieser Seite veröffentlichte.
Und auch jetzt noch empfinde ich es als große Ehre, dass sie mich als würdig genug empfand daran teil zu haben. Simon lernte ich erst richtig auf einem Wettkampf (lest hier darüber) kennen wo er uns allen zeigte wie stark er wirklich war. 
Das war für mich der Auftakt für eine tiefe Freundschaft, die gedanklich ewig dauern konnte und vorstellbar war.
 
Darüber hinaus haben wir sehr viel über unser Projekt PaJo gesprochen und Jonas und ich bekamen so unfassbar viel Inspiration unser Projekt weiter zu erträumen bis an den Punkt an dem es real greifbar wurde.
Simon und Leonie waren und sind somit ein wichtiger Bestandteil unseres Projekts.
 
Wenn ich an die beiden denke, dann immer voller Glück.
Denn der Buddhismus sagt: „Sei nicht traurig, dass es vorbei ist, sonder sei glücklich, dass es passierte.“
Sie haben mein Leben wie auch das vieler anderer maßgeblich beeinflusst. Ihre Idee und ihre Art zu leben wird zumindest mich ein Leben lang inspirieren.
Sein Mut wird mich antreiben, wenn ich nicht mehr weiter gehen kann. Und ihre Art Dinge zu sehen, wird mir die Schönheit der Welt zeigen, wenn ich sie nicht mehr sehen kann.
Die Liebe der beiden für einander und ihre Liebe für alle anderen wird mich erleuchten, wenn es in mir finster ist.
 
Ich werde nicht sagen, dass die beiden in Frieden ruhen sollen, denn sie lebten bereits in Frieden.
Vielmehr hoffe ich, dass die beiden ihre Reise fortsetzten dürfen, wo immer sie gerade sind.
Seid gewiss, dass ihr nie vergessen werdet!
 

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen